America / Oceanis 60
Hier einige Tipps zum Ausbau und Tuning

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Foliensegel speziell für Oceanis / America / Beaufort 60

Nach den ersten Runden mit dem neu erstandenen RC-Segelboot gab es doch einige Optimierungspunkte, die wohl wesentlich das Segelverhalten der Yacht beeinflussen. Es sind 2 Themenschwerpunkte:

1. Besseres Rigg/Segel als das Original, ohne aber Segelfläche und Maße zu verändern.

2. Konsequente Gewichtsreduzierung, da der schlanke Rumpf recht tief im Wasser liegt und zum Unterschneiden neigt.


Segel und Rigg

Die Original-Foliensegel sind von guter Qualität. Einziger Nachteil: Sie sind am Vorliek völlig gerade geschnitten. Eine Biegung des Mastes durch die Riggspannung führt dann schnell zu Verformungen im Großsegelprofil. Das Alurigg mit den Beschlägen ist etwas zu wuchtig und schwer. Die Gummiringe der Schothörner (Bild rechts) sind wahre Boots-Stopper, wenn die Baumnock das Wasser berührt. Sie sollten in jedem Fall ersetzt werden.

Thema Baumniederholer: Eine genaue Einstellung ist für das Profil des Großsegels sehr entscheidend, 1mm Unterschied macht hier schon eine Menge aus. Der Standard-Niederholer läßt sich durch Drehen (Schrauben) des PVC-Gabelkopfes am Mast durchaus justieren, nur bricht dieser leider sehr leicht. Ggf. gegen eine Metallversion austauschen. Beim  Einstellen ist die Riggspannung mit zu berücksichtigen. Wird ein leicht gespannter Mast entlastet (lösen vom Achterstag) erhöht dies die Spannung auf den Baumniederholer. Zum Entlasten des Segels zusätzlich das Fall etwas lösen. Alternativ kann statt einem Metallniederholer auch ein Faden mit kleiner Talje verwendet werden (Bild Holzrigg). Das Optimum stellt wohl ein Wantenspanner dar.

Einstellen des Riggs
Um eine Grundeinstellung zu bekommen, messe ich, ob der Mast senkrecht zum Deck steht. Dafür stelle ich eine Leiste o.ä. neben den Mastfuß und richte sie mit einem Rechten Winkel zum Bootsdeck aus. Vor- und Achterstag wird jetzt so eingestellt, daß die Mastspitze genau im Lot steht. Auf der Skizze müßte der Mast noch etwas nach vorne getrimmt werden. Die Fock ist im vordersten Loch eingehängt. Eine Markierung am Achterstag vor dem Spanner fixiert die fertige Einstellung.

 

Neubau von Segel und Rigg

Das Originalrigg wurde komplett zur Seite gestellt und ist immer einsatzbereit. Das neue Rigg entstand aus Kohlefaser-Rohren, was durch die höhere Festigkeit gegenüber Alu kleinere Durchmesser erlaubte. Der Mast hat 5,5mm Außendurchmesser (8mm Alu), die Bäume haben 5mm. Am Mast sind keine Bohrungen vorhanden. Alle Beschläge sind Kunstoffscheiben mit Bohrungen für den Mast und dort verklebt. Der Mastfuß ist eine Hülse mit 8mm Außendurchmesser und reicht bis unter den Baumniederholer. Dieser dreht ohne Spiel, da der über eine 1,5mm Achse mit dem Lümmelbeschlag verbunden ist. Zur Einstellung der Niederholerkraft dient ein kleiner Wantenspanner mit Konterschraube.

Der Masttop besteht aus 2mm Federdraht, der mit einer Hülse eingesteckt wird, die etwa 5cm in den Mast ragt (Druckverteilung). Wird er entfernt, kann das Großsegel komplett nach oben vom Mast genommen werden. Die Schothörner sind mit Schrumpfschlauch-Hülsen an dem Bäumen befestigt, was eine gute Feinjustierung ermöglicht. Der Fockbeschlag am Mast ist auch eine PVC-Scheibe, die gegen Verrutschen gesichert ist. Der Beschlag ist abnehmbar (zum Wechseln des Segels nötig). Alle Komponenten des Riggs wurden auf Gewicht optimiert. So wurde möglichst wenig Metall (Schrauben) verwendet.

Die Segel
wurden nach den Originalmaßen hergestellt (Bild mitte, es sind Cirka-Werte). Sie bestehen aus einem Stück, sind also in sich nicht profiliert. Nur das Vorliek wurde leicht rund geformt, was zum entscheidenden Bauch des Segels führt. Die Fock hat kleine Stahlösen bekommen (Bild links) durch die das Vorstag geführt wird. Beide, wie auch das Achterstag, sind aus 0,3mm Stahldraht (reckfrei). Auch Dyneema-Schnur eignet sich prima für die Stage. Über der Fock ist ein kleines Querbändsel angebracht (Bild rechts), daß die Dirk vom Mast abhält. Damit wird ein Verklemmen mit den Mastringen des Großsegels vermieden.

Materialwahl
Es kommen Foliensegel (0,02mm) und Nylon-Gewebesegel zum Einsatz. Das transparente Foliensegel steht besser, ist aber empfindlicher gegen Beschädigungen als das blaue Gewebetuch. Mit 5mm PVC- Streifen ist das Foliensegel eingefaßt. Das Originalmaterial hat ein Stärke von ca. 0,05mm. Hochtransparente A4-Hüllen für den Leitzordner haben diese Stärke, sie müssen nur geklebt werden. Hier hat sich normales Tesafilm gut bewährt, auch Badewannentest bestanden. Eine weitere Folie ist transparente Geschenkfolie von der Rolle. Ist noch dünner, ca. 0,02mm, läßt sich aber gut verarbeiten und braucht nicht erst zusammen geklebt zu werden. Das Nylon-Gewebe stammt aus einem Lenkdrachengeschäft.  Das Material liegt nicht glatt sondern hat einen runden Drall, was am Achterliek stört. Mit Segellatten kann man etwas ausgleichen. Zudem verformt es sich bei Nässe.
Besser und auch teurer ist Polyester-Segeltuch. Besonders das Icarex PC-31 ist leicht und weich, zeigt auch bei Nässe keine Veränderung und hat fast keinen Drall.
Die milchige Zeichenfolie mit 0,10mm ist sehr robust, einfach zu verarbeiten; eignet sich gut für Sturmsegel.
Spinnakertape hat sich als ungeeignet erwiesen. Es verformt sich und schrumpft wenn es naß wird. Daher nur für kleinere Flächen nutzbar, z.B. Lochverstärker und eingeschränkt für Schothörner.

Holzrigg
Eine sehr günstige Alternative: Buchenstäbe mit 8mm gibts in jedem guten Baumarkt unter 1 Euro. Für die Bäume kann man auch 6mm probieren. Das fertige Rigg ist gegenüber CFK nur 10 Gramm schwerer, aber etwas weicher. Vorsicht: Das Holz quillt im Mastfuß wenn es naß wird und sitzt dann bombenfest; also genug Spiel lassen.

 

 

Gewichte von Rigg und Segel:
Serie 97 Gramm, Holz/Nylon 72 Gramm, CFK/Folie 52-62 Gramm, CFK/Icarex 50 Gramm


Der America-Schriftzug am Rumpf ist wohl als erstes verschwunden, denn er verschandelt dies hübsche Schiff.

Innenausbau

Gewichtsersparnis war hier der Schwerpunkt. Als Ruderservo wurde eine Miniversion verbaut, mit 17 Gramm statt 40; die Zugkraft ist für das Ruder masse ausreichend. Zudem wurden beide Servos mittschiffs ganz nach achtern an die Spundwand gesetzt, wg. Gewichtsverteilung. Die Trägerplatte (Presspappe) ist mit dem Rumpf verklebt.

Der Akkublock wurde gegen Micro-Zellen AAA ausgetauscht, 50 Gramm statt vorher 90. Nur sind dies NIMH Zellen mit 900 mA, die ein spezielles Ladegerät erfordern. Jedoch ist Platz ohne Ende im Rumpf und man kommt gut ran, um die Akkus zu wechseln. Versuche, Akku und Empfänger noch achtern der Servos zu platzieren (praktisch unter die Plicht), haben keine sichtbare Verlagerung des Schwerpunktes nach hinten gebracht. Zudem ist es fingerbrecherisch, da hinten rein zu kommen. Für den Fall der Fälle sind Empfänger und Akkus spritzwassergeschützt in Tüten verpackt und gegen Verrutschen gesichert.

Auf dem Foto ist der neue Hebelarm für die Segelschot zu erkennen. Statt vorher 8cm ist der Hebelweg jetzt noch 5,5cm lang und ergibt mit der Untersetzung den erwünschten Schotweg.

Der Lukendeckel wurde ersatzlos gestrichen, da das Abdichten mit Tape nicht zufriedenstellend war, es kam immer Wasser über die Schnittkanten ins Boot. Bewährt hat sich das Abkleben mit einem vorgeschnittenen Stück DC-Fix oder ähnlich. Dies ist an allen Seiten etwa 5mm breiter als der Originaldeckel und es ist eine Einwegdichtung. Aber VÖLLIG Dicht, auch nach stundenlanger Sturm- und Regenfahrt war kein Tropfen im Schiff. Zudem ergibt sich eine Gewichteinsparung von ca. 30 Gramm.

Alternativ bietet sich eine Lukenöffnung mit einem Plastikdeckel an. Von einer Erdnußdose wurde der obere Metallring verwendet. Mit der Heißklebepistole läßt er sich sehr gut mit einer PVC-Trägerplatte verbinden. Durchmesser ca. 8,5cm, also etwas mehr als die Lukenöffnung. Die Trägerplatte liegt auf dem Deck und ist mit Silikon verklebt. Nachteile: Das Ganze wiegt etwa 30 Gramm und die Öffnung ist kleiner (ca 70% der Originalluke).

Ein/Aus-Schalter: In der Plicht wurde ein Minischalter (Bild unten) eingebaut, der ein Öffnen des Schiffes unnötig macht. Die Empfängerakkus halten 4 bis 6 Stunden, je nach Belastung durch Winddruck.

Antenne verlegen: Der Bauplan sagt am Achterstag hoch, was aber ein Loch in der Plicht erfordert und ein Großteil des Kabels im Schiff liegt. Zudem ist der Großbaum recht nahe. Alternative: Am Mast hochführen. Auch hier ist ein Loch im Deck erforderlich. Zudem kommt es durch Alu und auch CFK zu elektrischen Beeinflussungen. Alternative im Rumpf verlegen. Die Foren im Internet sagen zu diesem Thema, daß es zwar von der idealen vertikalen Norm abweicht, aber aufgrund der geringen Entfernung zum Sender (der kann bis 1 km) durchaus funktionieren kann. Nur sollte die Antenne nicht zusammengeknüllt werden, das kommt Abschneiden gleich. Lösung: Stahldraht (0,3mm) als Antenne verwenden. Meine ist jetzt 96cm lang (volle Länge) und reicht von der Bugspitze bis zum Ruder, macht dort einen Bogen und geht auf der anderen Rumpfseite wieder zurück bis auf Masthöhe. Das Verlegen ist denkbar einfach, die Biegung im Heck macht der Draht von ganz alleine und drückt sich an die Rumpfwände, fixieren unnötig. Ein kurzer Kabelvorläufer (Steckverbindung) geht dann zum Empfänger. Test bis Sichtweite ohne Probleme bestanden.
Nachtrag: Nach Zapplern wurde die Antenne am Achterstag nach oben geführt, sicher ist sicher! Um ein größere Höhe zu erlangen wurde die Antennenlänge auf ca 92cm verdoppelt, 32cm im Schiff nach achtern und 60cm hoch. Der Klemmschieber sitzt jetzt über dem Antennenende und wird am Masttop eingeharkt und justiert.

Gewichtsersparnis ca. 85 Gramm ( Servo, Akku, Deckel )

 


Schotführung

Beide Segelbäume öffnen im Standard nur bis ca. 60 Grad. Mehr geben die Schoten nicht her. Für Vorwindkurse wird aber eine Baumstellung von ca. 90 Grad empfohlen. Um dies zu erreichen mußte der Schotweg (am Wind/vorm Wind) von 11cm auf 15cm verlängert werden, entweder einen längeren Hebel im Schiff oder eine Untersetzung.

Die Lösung ist eine Talje 2:1, die in der Plicht untergebracht ist. Das Foto zeigt die Zugschot (grün), die in einer Rolle endet. Großschot (orange) und Fockschot (blau) laufen durch diese Rolle zu einem Endhaken (neben Kpt. Blaubär). Mit einem kürzeren Servohebel (5,5cm) ergibt sich die gewünschte Schotlänge. Die hintere Umlenkrolle (neben Achterstag) war schon vorher installiert worden.

Vorteil dieser Lösung: Die Umlenkung muß nicht fuddelig im recht engen Schiffsrumpf installiert werden und ist sichtbar auf Deck. Zudem ist die Schotlänge von 15 cm nur so ohne Ecken möglich.

 

Großschotbügel

Der Bügel ersetzt den Standardbeschlag, was das Abkleben der Luke erleichtert. Zudem ist er höher und endet direkt unter dem Großbaum. Die Schot hat fast keinen Zug mehr nach Unten, wodurch eine bessere Wirkung beim Dichtholen des Segels erreicht wird, speziell auf hohen Amwindkursen (5-10° Baumwinkel). Zug auf das Achterliek wird verringert, wichtig bei wenig Wind.

Zudem hat Käpt. Blaubär jetzt eine bessere Sicht auf die nautischen Instrumente...

Hinweis: Die erhöhte Schotführung benötigt mehr Schotlänge und sollte nur mit der oben beschriebenen Übersetzung verwendet werden, da sonst der Großbaum nicht mehr so weit öffnet wie bei dem flachen Holepunkt.

 

Ruder

Das Standardruder ist zu klein! Lenkmanöver sind bei etwas mehr Wind nur bedingt möglich und das Schiff reagiert sehr schlecht. Mit Tape wurde die hintere Abrißkante um ca. 7 mm verlängert (ein Streifen von beiden Seiten aufgeklebt). Danach war eine sehr gute Steuerung möglich.

Das Foto links zeigt ein komplett neues Ruderblatt und den Größenvergleich zum Original. Durch Balsaholz/Epoxy-Verbund ergibt sich eine Gewichtsreduktion von vorher 22 auf jetzt 14 Gramm.

 

Nachtrag:
Ab Sommer 2005 werden die Yachten mit deutlich größerem Ruderblatt ausgeliefert, was Umbauten nicht mehr erforderlich macht.

 

 

Sturmrigg

Ab 3 Bft. ist das Schiff mit Originalrigg übertakelt und nur noch bedingt segelbar. Mit dem kleinen Rigg sind 4-5 Bft. schon sehr gut gelaufen.

Das Sturmrigg hat ca. 30% weniger Segelfläche, also etwa 0,13qm gegenüber 0,20qm des Originales. Es hat ein eigenes, kürzeres Rigg bekommen.

Das Fock-Vorliek führt gerade zur Ausnahmeschiene an Deck des Schiffes. Damit ist keine Wippe mehr vorhanden, um das Achterliek der Fock zu regulieren. Um dies zu erreichen ist ein zweites Vorstak mit einem kleinen Klüver vorhanden. Es läuft etwa auf Linie der Normalfock, also vor der Sturmfock.

Das Rigg ist jetzt topgetakelt. Damit soll bei erhöhter Riggspannung eine übermäßige Mastbiegung vermieden werden.

 

 

 

Fazit

Das Gesamtgewicht liegt jetzt bei 1270 Gramm incl. Skipper, zu über 1400 Gramm im Standardausbau. Die Buglastigkeit bei halben oder raumen Winden wurde sichtbar verbessert. Der Bug ragt einige Millimeter höher aus dem Wasser. Ein wesentlicher Teil der Gewichtsersparnis liegt im Rigg,  was der Hebelwirkung zu gute kommt. Das gerundete Vorliek des neuen Großsegels paßt sich besser an die Mastbiegung an. Das größere Ruder ermöglicht kontrollierte Manöver auch bei mehr Wind, wo vorher ein Abfallen nicht mehr möglich war. Im Inneren bleibt es trocken ... wenn denn das Luk sauber verklebt ist.

Um die " kkoll.de EVO " sicher zu steuern war eine kompetente und erfahrene Crew ein wesentlicher Faktor. Nur wenige Skipper beherrschen solche Rennziegen wirklich. Das Eignersyndikat konnte KAPITÄN BLAUBÄR verpflichten, sicher einer der erfahrensten Seebären auf unseren Weltmeeren. Nach seinen Worten hat er auch auf dem Mars schon erfolgreich an Regatten teilgenommen (natürlich gegen grüne Männchen) und ist Einhand um den Mond segelt.